Aufbau Südost

Man darf Griechenland nicht einfach in der Misere sitzen lassen, und das aus verschiedenen Gründen. Sicher sind die Probleme zum groβen Teil selbstgemacht, doch hat die EU gehörige Mitschuld, weil sie über Jahrzehnte wegsah und beim Euro-Beitritt Griechenlands beide Augen zudrückte. Dass die Griechen auf Pump über ihre Verhältnisse lebten, kam der übrigen europäischen Exportwirtschaft übrigens sehr zugute.

Demnach gilt es jetzt, die Schuld und die Schulden mitzutragen und aber gleichzeitig der Wirtschaft und den Bürgern Griechenlands eine Perspektive zu bieten, denn Totsparen ist wahrlich keine Option. Dies führte nur zu Chaos und davon gibt es schon genug in jenem Teil des Mittelmeers.

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Dicke Luft

Kaum ein europäisches Land tut so wenig wie Luxemburg, um seine Bürger – und seine Jugend – vor dem Rauchen zu schützen. Nur bei der Hilfe zum Aufhören mit Rauchen schlägt sich unser Land nicht schlecht, bei allen anderen angelegten Maβstäben wie Werbung, Warnung, Aufklärung und Preis gibt es ungenügende bis katastrophale Noten. Bei der Antitabak-Politik insgesamt belegt unser Land den vorletzten Platz von 31 Nationen.

Gerade noch “genügend” vergibt die Weltbank an Luxemburg beim Rauchverbot in öffentlchen Gebäuden und am Arbeitsplatz. Gerade hier ist das aktuelle Gesetz ein Sieb und braucht dringend Nachbesserung. In der Tat ist es so, dass der Arbeitgeber seine Angestellten vor dem Passivrauchen schützen muss; allerdings gilt dies nicht für das Personal von Cafés und Diskotheken. Diese Ausnahme stellt – neben der gesundheitlichen Gefahr – eine krasse Missachtung des Gleichheitsprinzips vor dem Gesetz dar, und gehört abgeschafft.

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700.000 Einwohner

Erfolgreich haben es die Regierenden geschafft, des Luxemburgers Schreckgespenst vom 700.000-Einwohner-Staat aus der öffentlichen Diskussion zu verbannen. In der Tat reagieren die Wähler allergisch auf die Perspektiven von noch unerschwinglicheren Wohnungen und noch weniger Lebensqualität.

Doch insgeheim basieren einige Regierungmitglieder ihre zukunftplanende Politik auf eine Dreiviertelmillion Einwohner , plus Hunderttausende Pendler. So etwa der Sozialminister, dessen Rentenreform faktisch auf einem solchen Wachstumsszenario beruht. Andere Minister verdrängen jedoch die Aussicht von fast einer Million Menschen, die tagtäglich zur Arbeit  pendeln werden. Wie sonst ist zu erklären, dass nicht massiv in den öffentlichen Transport investiert wird, und zwar Bahn und Tram, weil Busse allein diese Menschenmengen nicht umweltverträglich bewältigen können.

Nun, da auch EUROSTAT uns einen 45%igen Bevölkerungszuwachs auf 728.000 Einwohner in 2060 prophezeit, sollten wir eine breite öffentliche Diskussion führen, ob wir dieses Wachstum wollen und falls ja, wie wir es infrastrukturell bewältigen werden.

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Veränderung von unten

Die nordafrikanischen Bürgerinnen und Bürger haben es vorgemacht: Veränderung erfolgt nicht durch Gipfeltreffen, sondern durch Menschen, die ihr Schicksal in die eigene Hand nehmen, den Kopf heben und sagen: “Wir sind das Volk”. In Demokratien können Wahlen Veränderung von unten bewirken: der G8-Gipfel brachte nur schwammige Kommuniqués zu Atommeiler-Stresstests zustande, während die Niederlagen der deutschen Regierungsparteien in Regionalwahlen den endgültigen Abschied des Export-und Hochtechnologielandes von der Atomkraft erzwangen.

Auch der Kampf gegen Klimaveränderung und für erneuerbare Energien wird nicht auf geschwätzigen Mega-Gipfeln, wie den in Kopenhagen Ende 2009, sondern durch aktives Handeln auf lokaler Ebene gewonnen. Für Luxemburg könnten die anstehenden Gemeindewahlen die Zeichen für die Zukunft setzen.

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Pensionsreserven sinnvoll investieren

Wegen der auβergewöhnlichen Zunahme der Beschäftigten in den Jahrzehnten wirtschaftlichen Booms, sitzt die Luxemburger Rentenkasse auf riesigen Reserven. Diese sind die notwendige Vorsorge für Zeiten, in denen weniger Einnahmen durch Beschäftigte, jedoch mehr Ausgaben durch Rentner zu Buche schlagen werden.

Dass die Pensionsreserven sinnvoll zu investieren sind, liegt auf der Hand. Ob aber auch das letzte Quentchen Performance und Prozente auf den Anlagen erzielt werden müssen, ohne Rücksicht auf ethische Kriterien? Und sogar wenn die Milliarden ethisch, sozial und ökologisch korrekt investiert würden, warum nur in ausländische Multis?

Luxemburg muss bald enorme Investitionen seitens des Staats, der Gemeinden und auch der Privathaushalte tätigen, um seine Bausubstanz energetisch zu sanieren und um erneuerbare Energien massiv zu fördern. Wegen steigender Ölpreise muss dies so schnell wie möglich geschehen, doch die Staatskassen sind leer. Da wäre es doch doppelt sinnvoll, einen Teil der Pensionsreserven als Kredite für Inlandsinvestitionen in Energieeffizienz zu vergeben, auch zum Wohl des Luxemburger Handwerks und seiner Beschäftigten.

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Wer mit dem Finger auf andere zeigt, auf den weisen drei Finger zurück

“Man kann nicht morgens gegen Atomkraft sein und abends gegen einen Windpark in der Nähe seiner Ortschaft demonstrieren”, rief Energieminister Krecké neulich den NIMBY’s (not in my backyard – nicht in meinem Hinterhof) ins Gewissen. Recht hat er damit. Wenn hierzulande der Immobilienmarkt boomt, so braucht es auch im Land Bauschuttdeponien, denn man kann nicht alles Unangenehme ins Ausland verlagern. Wer Heizöl und Benzin verbraucht, braucht auch Tanklager. Nur: sind Politiker, die ein Tanklager in ein Naturschutzgebiet bauen wollen, nicht schon in vorauseilendem Gehorsam den NIMBY’s ergeben?

Es geht hier um Konsequenz und Kongruenz, und die fordert Minister Krecké mit seiner Aussage von den Bürgern. Leider aber setzt er nicht dieselben Maβstäbe bei sich als Minister an. Zwar gibt er in einer Pressemitteilung den Atomkraftgegner, doch in Wahrheit bereitet er der Atomenergie den Weg. Indem er alles daransetzt, dass Arcelor-Mittal – in deren Verwaltungsrat er sitzt – günstigen, weil heimlich subventionierten, Atomstrom einkaufen kann. Und indem er es vermied, sich mit der Regierung bei der EU für reelle Stresstests bei Atommeilern enzusetzen. Demnach ist Kreckés Haltung keinesfalls konsequent und seine Aussage nichts als billige Polemik, um von eigenem Fehlverhalten abzulenken.

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Vorsorge ist leichter als heilen

Sind Kernkraftgegner allesamt auch Fortschrittsgegner? Nein, sie sind nur vorsichtige Menschen, die sich Murphy’s Gesetz vor Augen halten: Alles was schief gehen kann, geht irgendwann auch schief. Leider ist es so, dass manche Wissenschaftler auf dem kritischen Auge blind sind und dass bei der angewandten Forschung die Gewinnsucht ins Zentrum aller Überlegungen rückte.

So war es schon vor über 40 Jahren in Deutschland beim sogenannten Contergan-Skandal. Obwohl von Pharmaindustrie, Ärzten und Behörden versichert wurde, das Schlafmittel sei auch während der Schwangerhaft unbedenklich, kam es nach nur einmaliger Einnahme zu schwersten körperlichen Behinderungen bei vielen Kindern.

Deshalb sind auch Gegner von genmanipulierten Pflanzen und Lebensmitteln keine Fortschrittsgegner, sondern Menschen, die dem Vorsorgeprinzip Rechnung tragen.

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Rentenkürzung oder Arbeitszeitverlängerung

Vollmundig behauptete Premier Juncker, die Regierung lasse sich nicht vom Duo Merkel-Sarkozy die Luxemburger Sozialpolitik diktieren, wie z.B. die Abschaffung des Index und ein späteres Renteneintrittsalter. Doch erstaunlicherweise traten drei Wochen danach die Minister Frieden und Di Bartolomeo vor die Presse und verkündeten eine 15%ige Rentenkürzung für diejenigen, die nicht länger arbeiten wollen.

Wahrscheinlich handelt es sich hier um einen wohlüberlegten Einsatz von Politiker-Doppel-Sprech. In der Tat wird zukünftig ein jeder entscheiden dürfen, ob er oder sie wie gehabt nach 40 Dienstjahren in Rente geht. Allerdings wird diese “freie” Entscheidung als Konsequenz haben, eine um 15% gekürzte Rente zu beziehen.Oderanders formuliert: eine volle Rente erhält nur, wer künftig 43 statt bisher 40 Dienstjahre absolviert. Ein Renteneintrittsalter “à la carte”, so dass jeder für sich selbst seine “Wohlergehensschwelle” – sprich Zeitpunkt des Austretens aus dem Berufsleben – definiert, klingt wie aus dem Wellnessprospekt. Und es mag auch so sein, dass einige Bezieher sehr hoher Gehälter kein Problem haben, auf 15% Rente (ein Leben lang) zu verzichten.

Tatsache aber ist, dass mittlere und kleinere Gehälter mit dieser finanziellen Einschränkung erhebliche Probleme haben werden; man bedenke nur, dass manche Immobilienkredite mittlerweile eine Laufzeit von 40 Jahren erreichen. Tatsache ist auch, dass nicht alle Menschen, die über Jahrzehnte schwer körperlich gearbeitet haben, mal einfach so ihr Berufsleben um drei Jahre verlängern können, und zwar wegen gesundheitlicher Probleme. Darüber hinaus beobachtet man immer mehr, dass ältere Arbeitnehmer von den Betrieben ausgesondert werden; aus Profitstreben versuchen diese, relativ teure ältere Mitarbeiter durch billigere und willigere junge zu ersetzen. Schließlich wird es immer schwieriger für alle Arbeitnehmer, schon die 40 Beitragsjahre zu leisten, geschweige denn die zukünftigen 43. Insbesondere, weil ja die Arbeitslosigkeit, vor allem der Berufseinsteiger, durch die Verlängerung der Lebensarbeitszeit tendenziell steigen wird.

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Wer braucht soviel Öl?

Ja es stimmt, wir können nicht alle unsere ungelösten Probleme den Nachbarn zuschustern, wir müssen unsere strategischen Ölreserven im Inland lagern. Auch in unseremkleinenLandgibt es noch geeignete Standorte, die an Schiene und Autobahn liegen, ohne durch die Nähe an Wohnvierteln, die Lebensqualität der Anwohner zu beeinträchtigen.

Wieso aber soll in Bascharage ein Tanklager in ein Naturschutzgebiet? Wieso ist die Regierung überhaupt so heiß darauf, diese europäische Natura-2000-Zone zu zerstören, indem sie Karten fälscht, eine Umgehungsstraße hindurch ziehen will und jetzt auch noch ein Tanklager darauf ansiedeln will? Es gibt doch gut angebundene und ungenutzte Industriebrachen im Süden des Landes.

Vor allem aber: warum brauchen wir so enorme Öllagerkapazitäten? Denn es geht hier um die Zeit nach 2020, weil die Genehmigungsprozeduren sich so lange hinziehen werden. Wird es den Tanktourismus in zehn Jahren noch geben, wo doch unsere EU-Partner auf Akzisenharmonisierung drängen? Da durch die zunehmende Knappheit die Ölpreise dauernd steigen, kann man überdies davon ausgehen, dass in Zukunft weniger Sprit verbraucht wird. Dasselbe gilt auch für Heizöl, denn in 15 bis 20 Jahren werden unsere Wohnungen viel weniger Energie vergeuden als bisher. In diesem Licht muss die Regierung ihre Ölkonsum-Prognosen neu erstellen.

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Renten : Lügen in die eigene Tasche

Eine wirkliche Reform des Rentensystems wird es nicht geben, denn zu zögerlich sind die Ansätze. Unsere Regierung folgt nur dem europäischen Diktat nach längerer Lebensarbeitszeit, ohne darüber nachzudenken, ob dies aus gesundheitlichen Gründen bei den Beschäftigten oder aus Gründen des Jugend- und Profitwahns bei den Betrieben, überhaupt möglich sein wird.

Reformwillen zeigt man dadurch, dass man ohne Tabus erst einmal alles zur Debatte stellt, worauf dann eine breite öffentliche Diskussion stattfindet. Dies geschah in der Rentenfrage keineswegs, denn die Regierung hat alle Alternativen blockiert. So wurde etwa den Arbeitgebern schon im Dezember 2010 versprochen, es gäbe für sie mit dieser Regierung keine Erhöhung der Sozialbeiträge. Schlimmer aber ist, dass die angestrebte “Reform” von falschen Prämissen ausgeht, um das System quasi unverändert in die nächste Dekade zu retten.Sindim Schnitt der nächsten 50 Jahre jährlich 1,5% Anstieg der Beschäftigten und 3% Wirtschaftswachstum realistisch? Und sind sie überhaupt wünschenswert?

Ich bin ja nicht oft mit Herrn Mersch von der Luxemburger Zentralbank einer Meinung, aber er kann mit Zahlen belegen, was ich ahne. Durch den Wegfall des E-Commerce nach 2015 und durch die zunehmende Regulierung der Finanzmärkte, aber auch die kommende europäische Homogenisierung der Betriebssteuern in den EURO-Ländern, ist schon im jetzigen Jahrzehnt ein mittleres jährliches Wachstum von 3% nur ein Wunschtraum. Was das angenommene Arbeitsplatzwachstum von 1,5% angeht, so führte das in 25 Jahren von jetzt 350.000 zu 500.000 Beschäftigten und in 50 Jahren zu einer Verdoppelung auf über 725.000 Beschäftigte. Wo sollen alle diese Menschen arbeiten, wohnen, leben? Wie sollen sie sich bewegen? Wieviel Landverbrauch verträgt das kleine Luxemburg? Wollen wir den 700.000-Einwohner-Staat in 25 Jahren ? Und wie bewältigen wir ihn?

Oderwird es doch nicht dazu kommen, weil diese Wachstumsannahmen unrealistisch sind? Dann ist klar, dass wir in die ominöse “Rentenmauer” knallen, denn die jetzt noch sicheren Renten werden ab dem nächsten Jahrzehnt auf sehr wackligen Füßen stehen, wenn wir uns weiter in die eigene Tasche lügen, weil wir uns einer tiefgreifenden Reform verschließen.

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