Gemeinde-Insider

Die Fragen rund um Immobilienbesitz von Gemeindeverantwortlichen, die jetzt vor den Wahlen in Gemeinden wie etwa Sandweiler, Dippach und Roeser hochkochen, sollten uns stutzig machen, denn sie könnten nur die Spitze des Eisbergs sein. Da bei den heutigen Immobilienpreisen schnell sechsstellige Gewinne winken, je nachdem ob Land inner- oder auβerhalb des Bauperimeters liegt, muss die Gesetzeslage auf der Gemeindeebene vervollkommnet werden.

Genau wie im Bereich der Banken und der börsennotierten Unternehmen, muss auch für die Gemeindeverantwortlichen der Straftatbestand des Insider-Delikts eingeführt werden. Somit machte sich derjenige strafbar, der sich oder anderen schon allein aufgrund seines Wissensvorsprungs Vorteile verschafft.

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Nichts dazugelernt

Wieder hat ein Trader einer Grossbank zwei Milliarden verzockt. Wieder haben die internen Kontrollmechanismen versagt. Das wirklich Schlimme daran aber ist, dass solche Casino-Wetten durch Banken überhaupt erlaubt sind. Fazit: Die Finanzmärkte müssen endlich reguliert werden. Die spekulativen Aktivitäten müssen in einer anderen Struktur angesiedelt sein, als die normalen Bankgeschäfte wie Sparen und Kreditvergabe. Viele hochriskante Aktivitäten müssen reguliert, besteuert und solche, die nichts mit der Realwirtschaft zu tun haben, schlichtweg verboten werden.

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Nicht nur Fraktionsvorsitz

Wenn es in der CSV-Fraktion ein Tauziehen um den Vorsitz gibt, dann nicht nur weil um den Ausgleich verschiedener Strömungen gerungen wird, sondern auch weil ein anderer lukrativer Posten in Aussicht steht: Mitglied des Verwaltungsrats von RTL. Die Herren Lux (LSAP) und Bettel (DP) wissen, wovon ich rede.

Es ist seit Jahrzehnten Luxemburger Polittradition, dass die Fraktionsvorsitzenden der drei Parteien, die in den letzten 60 Jahren an der Regierung beteiligt waren, im RTL-Verwaltungsrat tagen. Wenn man sich zu Recht über die groβe Nähe des Murdoch-Konzerns zur britischen und amerikanischen Politik Sorgen macht, so sollte man das gleiche in Luxemburg tun. Denn die Kollusion von Politik mit dem marktbeherrschenden Radio- und monopolitischen Fernsehmedium RTL zeugt weder von der Unabhängigkeit dieser Anstalt, noch der Politiker. Und gibt der Politikverdrossenheit in unserem Land unnötig Vorschub.

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Politische Hausaufgaben

Wenn, wie in Mecklenburg-Vorpommern, nur die Hälfte der Wahlberechtigten überhaupt an der  Wahl teilnimmt oder wenn, wie nun in vielen Ländern, Rechtspopulisten mit ihren billigen Sprüchen viele Wähler faszinieren, dann zeigt das den hohen Grad an Politikverdrossenheit, der mittlerweile in unseren Demokratien herrscht. Ein Grund, warum die Wähler ihren Repräsentanten nicht mehr trauen oder nichts mehr zutrauen, liegt darin, dass die Politiker sich scheinbar mehr Mühe um multinationale Finanzkonzerne geben, als sich um die Bedürfnisse und Sorgen der Menschen zu kümmern.

Zwar verhindert die Wahlpflicht in Luxemburg den Offenbarungseid an der Urne. Doch viele Bürger sind unzufrieden mit den Leistungen der Verwaltungen und damit, dass selbst Minister es nicht zustande bringen, dass ihre Dienste als effiziente Servicestellen am Bürgerkunden funktionieren. Und kommen dann zum einfachen Schluss: wenn diese Politiker nicht einmal ihre Hausaufgaben erledigen können, wie sollen sie dann die komplexeren globalen Probleme lösen?

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Kiirchbierg oder Schildbierg(er)?

Et goung elo durch d’Medien, datt d’Foireshalen um Kiirchbierg solle geréckelt gin. Dat gëtt bestëmmt deier, well Ausstellungshalen an déi ee mam Camion erfure kann, op engem ëeneriirdéche Parking, sin eng besonnéch Ufuerderung un d’Statik. An der Press stoung och, eng Gare kéim dohin fir Bus an Tram, vläit och fir den Zuch. Dat kléngt jo awer net no Masterplang oder Gesamtkonzept, besonnéch wann een elo emol ufänkt mat Bauen, obschons den Tram nach guer net decidéiert ass. Iwregens: leider ass deen Tram nach net op de Schinnen, well wa bis d’Nordautobunn färdeg ass, da geet mam Autosverkéier um ganze Kiirchbierg guer näischt méi.

Wann een séch dann d’Zeechnung ukuckt, wéi dat Ganzt emol eng Kéier soll ausgesin, da kann een sech nure wonnerën: iirgendwéi huet de Kino eng aner Form kritt an en ass e bëssen op d’Säit geréckelt. Kéint dat sinn, well den Tram soss net d’Kéier laanscht de Supermarché kritt? Kann dat sin, datt esou geplangt gëtt? Kéint dat sinn, datt esou derniewt geplangt gouw a gëtt, datt en Deel vum Kino oofgerappt an nei opgeriicht muss gin?

A wéisou weess een nach net, op just den Tram oder awer och nach den Zuch um Kiirchbierg soll halen? Annerhalwe Kilometer méi wäit, um Findel, gëtt et dach schons eng Zuchgare, iwregens  ouni Schinnen an ouni Uschloss! Soll elo nach eng derbäikommen? Wéisou kann den Tram net vum Kiirchbierg weider op de Findel fueren? Et wär jo ze blöd, wann zum Beispill eng Persoun, déi  hannen um Lamperbierg wunnt an op de Flughafen wéilt, mam Bus op de Glacis fuere géiw, da mam Tram op de Kiirchbierg, an do nach eng Kéier fir déi lescht zwou Minutten Wee an den Zuch ëmsteige misst. Esou mécht een den ëffentlëchen Transport net attraktiv. Awer onheemlech deier.

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Märkte jagen Politik

Die europäische Politik sollte sich nicht von den Finanzmärkten vor sich her treiben lassen, sondern vielmehr unbeirrt ihre Hausaufgaben erledigen.

Die jetzige Baisse an den Börsen bekommt wohl wegen des journalistischen Sommerlochs zuviel mediale Aufmerksamkeit. Dabei handelt es sich bloβ um eine normale Kurskorrektur der Märkte. Es macht doch keinen Sinn, sich statistisch auf wenige Tage des Kursrückgangs zu fokussieren, denn man muss auch die Zuwächse der vergangenen Monate  berücksichtigen. Die jetzigen Kurse befinden sich nahe an den wirklichen Werten der Betriebe. Das ist gut so und auf keinen Fall ein Grund zur politischen Panik.

Damit sich jedoch die Märkte nicht wieder von der ökonomischen Realität abkoppeln, muss die internationale Politik sie in Grenzen halten. Die Grenzziehung sollte eine Finanztransaktionssteuer beinhalten, vor allem aber das Verbot der – rein spekulativen – ungedeckten Leerverkäufe. Denn diese können bei null Bezug zur Realität dramatische Verwerfungen der Finanzmärkte, bis hin zu einer neuen Krise auslösen.

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Solarpotenzial nutzen

Durch unsere Abhängigkeit von Öl und Gas sitzen wir in der Ölfalle, gekennzeichnet durch eine zunehmende Verknappung des Angebots und das Preisdiktat durch Weltkonzerne und Rohstoffspekulanten. Der massive Einstieg in die Produktion von erneuerbaren Energien ist der Königsweg, um sich von fossilen Energien zu befreien und gleichzeitig die Inflation in den Griff zu bekommen.

Leider tut die Luxemburger Regierung nicht genug, um vor allem die Nutzung von Wind- und Sonnenenergie voranzutreiben. Unsere inländischen Möglichkeiten bei der Wasserkraft sind schon fast ausgereizt, doch bestehen noch Potenziale bei Windkraft und Biomasse, vor allem aber bei der Sonnenenergie. Doch die Entwicklung müsste durch die öffentliche Hand begleitet werden: warum gibt es weder einen Sonnen- noch einen Windkataster, die aufzeigen, wo Anlagen möglich, machbar und sinnvoll sind? Besonders erstaunlich ist, dass der Staat auch bei seinen eigenen Neubauten, oder dort wo er mitfinanziert und -entscheidet, kaum Solaranlagen baut. Dabei sind öffentliche Bauten schon von der Gröβe her oft wie geschaffen, um Sonnenergie wirtschaftlich sinnvoll zu nutzen.

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Verbrannte Erde rund um Livange

Das geplante Livinger Megaprojekt, das wegen eines an 25 Tagen im Jahr genutzen Stadions die Unterstützung der Regierung findet, wird nur verbrannte Erde im Umkreis hinterlassen.  Die Zubetonierung der Landschaft durch 20 ha Shoppingcenter, 4.000 Parkplätze und riesige neue Straβeninfrastrukturen  wird die Überschwemmungsproblematik im schon geplagten Roeserbann massiv verschärfen.

Das Livinger Projekt – in der Gröβenordnung von Auchan, Belle Etoile und Concorde zusammen genommen – bedeutet den wirtschaftlichen Todesstoβ für die schon spärliche Geschäftswelt in und um Städten wie Düdelingen und Bettemburg. Aber auch darüber hinaus, ergibt dieses Projekt keinen wirtschaftlichen Sinn, denn die Verbraucher und deren Kaufkraft werden sich nicht auf magische Weise verdoppeln. Man braucht sich nur die dahinvegetierenden Geschäfte in Belval anzusehen, um zu verstehen, dass neue Geschäftsflächen nicht automatisch Umsatz und Jobs nach sich ziehen.

Falls das Riesending auf der grünen Wiese entstehen sollte, wird Livange zum Synonym für Schildbürgertum und einen gigantischen privaten Immobiliencoup werden.

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Ölfalle wird zur Indexfalle

Obschon die im April zu erfallende Indextranche auf Oktober verschoben wurde, war die Luxemburger Inflation in den ersten fünf Monaten von 2011 laut STATEC um 1% höher als die unserer Nachbarländer. Demnach ist die Diskussion um eine weitere Indexmanipulation sinnlos, denn die Abschaffung des Index  vernichtet nur die Kaufkraft aller Schaffenden, vor allem der Wenigverdiener, ohne aber die Kompetitivität der Luxemburger Betriebe insgesamt zu erhöhen.

Preistreiber sind vor allem die Energiepreise. Deshalb sollte die Regierung sich auf keine weiteren Indexdiskussionen einlassen, sondern ihre Kraft auf die Reduzierung der Abhängigkeit Luxemburgs von Öl und Gas lenken. Der massive Einstieg in die Produktion von erneuerbaren Energien ist der Königsweg, um sich von Ölknappheit und Preisdiktat durch Spekulanten zu befreien und somit auch die Inflation in den Griff zu bekommen.

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Diener zweier Herren

Der Wirtschaftsminister vertritt die Aktien des Luxemburger Staats im Verwaltungsrat des ArcelorMittal-Konzerns. Dies ist eine Vermischung von Tätigkeiten, die auf verschiedenen Ebenen unzulässig ist. Auf rechtlicher Ebene: das Mitglied eines Verwaltungsrats muss sich unbedingt für die Interessen des Unternehmens einsetzen; ein Minister hat nur für das Wohl der Allgemeinheit einzutreten. Demnach kann der Minister, falls er seine Aufgaben im Verwaltungsrat korrekt erfüllt, nicht mehr korrekt als Minister agieren.

Auf deontologischer Ebene: wie kann der Minister weiterhin unabhängig Entscheidungen über ArcelorMittal, oder dessen Konkurrenten oder generell über die Luxemburger Wirtschaft fällen, wenn er so eng mit einem bestimmten Unternehmen verbunden ist?

Auf politischer Ebene: die Tatsache, dass ein Minister im Verwaltungsrat eines Weltkonzerns tagt, trägt keineswegs dazu bei, dass die Bürger Politiker insgesamt als glaubwürdig und unabhängig in ihren Entscheidungen erleben. Ganz im Gegenteil: diese Kollusion zwischen privaten und öffentlichen Interessen fördert die Politikverdrossenheit in der Bevölkerung.

Aus all den genannten Gründen sollte der Wirtschaftsminister seinen Verwaltungsratsposten abtreten, und zwar – wie auch sonst üblich – an einen hohen Regierungsbeamten.

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