Jägerlobby schießt sich selbst ins Knie

Selten habe ich so verfälschte und verkorkste Argumente gelesen, wie jene der Jägerlobby, die im Augenblick versucht, massiven politischen Druck auszuüben, um ein neues Jagdgesetz nach ihrem Willen durchzusetzen. Die Jäger klammern sich dabei an den Strohhalm eines kürzlichen Urteils des Menschenrechtsgerichtshofs in Straßburg. Dabei vermitteln sie fälschlicherweise den Eindruck, dass dieses Urteil, das sich auf eine nicht mit Luxemburg vergleichbare deutsche Situation bezieht und nicht rechtskräftig ist, EU-Recht darstelle, wo doch der Menschenrechtsgerichtshof eine Institution des Europarats ist.

Aber nicht nur formal, sondern auch inhaltlich feuern die Jägerfunktionäre momentan aus allen Rohren und widersprechen sich dabei dauernd selbst. Ihr Argument, dass die Jagd flächendeckend sein müsste, damit dem Wild keine Rückzugsgebiete zur Verfügung stehen, in denen sich Krankheiten ausbreiten können, wird schon seit Jahrzehnten durch das Bestehen des Gatters um den großherzoglichen Forst im Grünewald widerlegt. Dieses Gatter ist auch heute noch nicht offen, so dass ganz augenscheinlich hier ein riesiges Areal de facto aus der Luxemburger Jagdfläche ausgeklammert ist. Wieso sollte diese Möglichkeit der Herausnahme seiner Parzelle aus der Jagdfläche nicht jedem Waldbesitzer offenstehen?

Obschon die Jäger behaupten, sie würden den Wildbestand hegen, indem sie das gesunde Wild erhalten, demnach also das ungesunde und schwache eliminieren, treten die Waidmänner für die Fütterung ein. Das ist doch ein Widerspruch: falls nicht zugefüttert wird, sterben die schwachen Tiere und das wenige natürlich vorhandene Futter erhält die starken per natürlicher Auslese. Also bedürfte es ohne Zufütterung gar keiner Jagd. Aber die Jagdfunktionäre haben ja selbst zugegeben, was die knapp 2.000 Luxemburger Jagdferventen so treiben: „Die Jagd ist eine anspruchsvolle Freizeitbeschäftigung“.

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