Mythos Arbeit für alle

Seit Ende der 1970er Jahre gibt es in den westlichen Industrienationen nicht mehr genügend Arbeit für alle Menschen im erwerbsfähigen Alter. Denn die seit 30 Jahren grassierende Massenarbeitslosigkeit ist nicht konjunktureller sondern struktureller Natur. In den hundert Jahren davor gab es eine Abfolge von Konjunkturkrisen, in deren Folge die Menschen freigesetzt wurden um beim anschließenden Aufschwung wieder in Lohn und Brot zu gelangen.

Seit drei Jahrzehnten ist die Arbeitslosigkeit jedoch struktureller Natur, denn die wirtschaftliche Struktur hat sich so verändert, dass ein stetig steigender Sockel von Arbeitslosen bestehen bleibt, sogar in Zeiten von Hochkonjunktur. Eine Ursache ist der technologische Fortschritt: Menschen werden durch Maschinen ersetzt, die Kombination Mensch-Maschine ergibt Produktivitätsgewinne, einfache un- oder angelernte Tätigkeiten verschwinden. Eine andere Ursache ist die Globalisierung: Produktion wird in Billiglohnländer verlagert, damit die Unternehmensgewinne steigen.

Da es für viele Menschen in unserer Gesellschaft über lange Strecken nicht mehr möglich sein wird, einer Arbeit nachzugehen, müssen wir als Antwort auf diese strukturelle Arbeitslosigkeit zwangsläufig die Struktur unserer Gesellschaft ändern. In einer solchen Situation ist es also sinnlos, etwa von Arbeitnehmern zum Aufbau von Rentenrechten längere Arbeitsperioden zu verlangen. Längere Arbeitszeiten sind nicht nur nicht möglich, sie sind auch nicht nötig, denn die Produktivitäts- und Unternehmensgewinne zeigen, dass immer weniger Menschen immer mehr Wert schaffen. Es geht also darum, einen Teil dieses Mehrwerts solidarisch umzuverteilen. Deshalb braucht zum Beispiel die Rentenversicherung eine stärkere Finanzierung über Unternehmenssteuern, und zwar genau von den Unternehmen, die am wenigsten Menschen beschäftigen und gleichzeitig am meisten Nettowertschöpfung erwirtschaften.

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